Blasenschwäche in den Wechseljahren: Was hältst du eigentlich alles zurück?
Wenn in den Wechseljahren plötzlich die Blase nicht mehr dichthält, denken die meisten Frauen an Hormone und einen schwachen Beckenboden. Doch was ist eigentlich mit all den Gefühlen, die wir jahrelang zurückgehalten haben?
Ich habe irgendwann einen Gedanken gehört, der mich nicht mehr losgelassen hat: Wenn wir unsere Tränen immer zurückhalten, sucht sich das Wasser vielleicht einen anderen Weg.
Natürlich ist das keine medizinische Erklärung für Blasenschwäche. Aber als ich diesen Satz hörte, musste ich an meine eigenen Wechseljahre denken. Denn meine Blase reagierte damals besonders häufig in Zeiten, in denen ich emotional sehr angespannt war und meine Gefühle am liebsten gar nicht wahrnehmen wollte.
Und davon gab es reichlich.
Bloß nicht zeigen, wie es dir wirklich geht
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Gefühle wenig Platz hatten. Schon als Kind lernte ich, dass niemand sehen sollte, wenn ich traurig, verletzt oder wütend war.
Also gewöhnte ich mir an, meine Gefühle zu verstecken.
Wenn ich richtig traurig war, suchte ich Ablenkung. Ich traf mich mit Freunden, ging aus, feierte und sorgte dafür, dass möglichst keine unangenehmen Gedanken aufkamen.
Das funktionierte erstaunlich gut. Jedenfalls dachte ich das damals.
Ich war eine Frau, die ihr Leben im Griff hatte. Ich konnte organisieren, arbeiten, für andere da sein und auch in schwierigen Situationen weitermachen.
Nur mit meinen eigenen Gefühlen wusste ich nicht besonders gut umzugehen.
Dann kamen die Wechseljahre
Zwischen meinem 44. und 54. Lebensjahr erlebte ich eine Zeit, in der emotional unglaublich viel los war.
Ich hatte meinen zweiten Mann kennengelernt und mich sehr verliebt. Gleichzeitig war unsere Beziehung alles andere als einfach.
Wir gerieten immer wieder in Situationen, die starke Gefühle in mir auslösten. Ich war wütend, verletzt, enttäuscht, manchmal voller Angst und Schuldgefühle.
Vor allem aber begegnete ich ständig alten Mustern, die ich aus meiner Kindheit nur zu gut kannte.
Ich wollte geliebt werden, wollte Harmonie und hatte große Schwierigkeiten damit, meine Gefühle offen zu zeigen. Wenn mich etwas verletzte, versuchte ich zunächst, damit allein fertigzuwerden.
Und während ich innerlich Achterbahn fuhr, begann auch mein Körper verrücktzuspielen.
Ich schlief schlecht, hatte Stimmungsschwankungen und heftige Hitzewallungen. Dazu kam eine Blasenschwäche, die mich immer wieder unangenehm überraschte.
Damals schob ich vieles auf die Wechseljahre.
Schließlich verändert sich in dieser Lebensphase einiges im Körper. Durch die hormonellen Veränderungen können auch die Blase und das umliegende Gewebe empfindlicher reagieren. Und wenn der Beckenboden nicht mehr so zuverlässig unterstützt wie früher, kann es passieren, dass beim Husten, Niesen oder bei anderen Bewegungen ungewollt Urin verloren geht.
Das ist eine mögliche Erklärung. Doch ich fragte mich irgendwann, ob das bei mir wirklich die ganze Geschichte war.
Denn mir fiel auf, dass meine Blase besonders dann reagierte, wenn ich emotional sehr angespannt war und meine Gefühle am liebsten unterdrückt hätte.
Wenn du immer nur versuchst, dich zusammenzureißen
Rückblickend fällt mir auf, wie häufig ich damals gegen meine eigenen Gefühle angekämpft habe.
Ich wollte nicht traurig sein. Ich wollte nicht wütend sein. Und schon gar nicht wollte ich zugeben, wie sehr mich manche Situationen belasteten.
Ich hatte schließlich gelernt, stark zu sein.
Was für ein merkwürdiges Verständnis von Stärke, oder?
Da tobt innerlich ein Sturm, und nach außen tun wir so, als wäre alles wunderbar.
Heute weiß ich, dass emotionale Anspannung auch körperlich spürbar werden kann. Wir halten den Atem an, verspannen die Schultern, ziehen den Bauch ein oder bemerken gar nicht mehr, wie angespannt wir sind.
Auch der Beckenboden gehört zu unserem muskulären System. Er arbeitet beim Atmen, bei Bewegungen und beim Halten von Körperspannung mit.
Für mich wurde deshalb irgendwann die Frage interessant, ob meine Blase nicht nur auf die körperlichen Veränderungen der Wechseljahre reagierte, sondern auch auf die Anspannung, unter der ich damals stand.
Ich hatte jedenfalls immer wieder den Eindruck, dass meine Beschwerden besonders dann auffielen, wenn ich emotional viel zurückhielt.
Dreieinhalb Wochen, in denen ich endlich wieder zur Ruhe kam
Eine Freundin empfahl mir damals eine Ayurveda-Kur auf Sri Lanka.
Ich entschied mich, für dreieinhalb Wochen auszusteigen und eine klassische Panchakarma-Kur zu machen.
Diese Zeit wurde für mich zu einem Wendepunkt.
Endlich musste ich nicht ständig funktionieren. Ich hatte Abstand von meinem Alltag und den Auseinandersetzungen zu Hause. Ich konnte schlafen, mich ausruhen und mich wieder mehr mit mir selbst beschäftigen.
Mit der Zeit wurde ich ruhiger.
Und je ruhiger ich wurde, desto deutlicher spürte ich, wie sehr mich meine Beziehung belastete.
Ich begann, meine Gefühle ernst zu nehmen, statt sie sofort wegzuschieben.
Auch körperlich fühlte ich mich nach dieser Auszeit deutlich erholter.
Vor allem aber war mir klar geworden, dass ich etwas in meinem Leben verändern musste.
Die Entscheidung, die mir unglaublich schwerfiel
Als ich nach Hause zurückkehrte, wollte ich unsere Ehe retten.
Ich liebte meinen Mann und hoffte, dass wir durch Gespräche einen anderen Weg miteinander finden könnten.
Doch eine Beziehung lässt sich nur verändern, wenn beide dazu bereit sind.
Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass es so nicht weitergehen konnte.
Ich trennte mich schweren Herzens von einem Mann, den ich sehr geliebt hatte.
Das war keine leichte Entscheidung. Aber sie war wichtig für mich.
In der Zeit danach bemerkte ich, dass sich auch mein körperliches Befinden veränderte.
Ich schlief wieder besser. Meine Hitzewallungen ließen deutlich nach. Und auch meine Blasenschwäche besserte sich spürbar.
Natürlich kann ich heute nicht sagen, welcher Anteil dieser Veränderungen mit meinen Hormonen, der vergangenen Zeit oder der Entlastung zusammenhing.
Was ich aber sehr deutlich erlebt habe: Als ich aufhörte, ständig gegen meine Gefühle anzukämpfen, fühlte sich auch mein Körper anders an.
Was hat Blasenschwäche mit Gefühlen zu tun?
In meiner heutigen Arbeit mit Frauen begegnet mir dieses Thema immer wieder.
Manche Frauen erzählen, dass ihre Blase besonders empfindlich reagiert, wenn sie unter Druck stehen. Andere bemerken, dass sich ihre Beschwerden in emotional schwierigen Lebensphasen verstärken.
Solche Erfahrungen nehme ich ernst.
Gleichzeitig gibt es körperliche Gründe für Blasenschwäche. In den Wechseljahren verändern sich unter anderem die hormonellen Bedingungen, und auch Schwangerschaften, Geburten, Bindegewebe und die Funktion der Beckenbodenmuskulatur können eine Rolle spielen.
Deshalb wäre es falsch, einer Frau zu sagen, ihre Blasenschwäche komme daher, dass sie ihre Tränen unterdrückt.
Aber ich finde es genauso schade, die eigene Lebenssituation überhaupt nicht zu betrachten.
Denn manchmal lohnt es sich, neben der Frage nach der körperlichen Ursache auch etwas anderes zu fragen:
Was beschäftigt mich gerade so sehr, dass ich innerlich kaum noch zur Ruhe komme?
Welche Gefühle erlaube ich mir nicht?
Und wo versuche ich immer noch, stark zu sein, obwohl ich eigentlich traurig, erschöpft oder wütend bin?
Diese Fragen können etwas in Bewegung bringen.
Du darfst traurig sein. Und du darfst auch wütend sein.
Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit war, dass Gefühle nicht gefährlich sind, nur weil sie unangenehm sind.
Ich musste lernen, traurig sein zu dürfen, ohne mich sofort abzulenken.
Ich durfte wütend sein, ohne mich dafür zu verurteilen.
Und ich durfte Angst haben, ohne daraus gleich eine Schwäche zu machen.
Das bedeutete nicht, dass ich mich von meinen Gefühlen überwältigen lassen musste.
Ich lernte vielmehr, sie wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben.
Heute gehört genau das zu meiner ganzheitlichen Sicht auf den Körper: Ich möchte verstehen, was körperlich geschieht, und gleichzeitig aufmerksam bleiben für das, was ein Mensch gerade erlebt.
Und was kannst du bei Blasenschwäche selbst tun?
So wichtig mir die seelische Ebene ist, so wichtig ist mir auch die praktische Arbeit mit dem Körper.
Gerade bei Blasenschwäche lohnt es sich, die Beckenbodenmuskulatur besser kennenzulernen.
Viele Frauen haben schon einmal gehört, dass sie ihren Beckenboden anspannen und wieder loslassen sollen. Doch häufig fehlt ihnen ein richtiges Gefühl dafür, welche Muskeln sie überhaupt ansprechen.
In meinem Onlinekurs „Blasenschwäche und Organsenkungen verbessern“ arbeite ich deshalb besonders mit der tiefen Beckenmuskulatur.
Ich zeige dir, wie du diese Muskelschichten bewusst wahrnehmen und mit gezielten Übungen kräftigen kannst. Du kannst die Übungen zu Hause und in deinem eigenen Tempo durchführen.
Wenn du unter ungewolltem Urinverlust leidest, ist außerdem eine medizinische Abklärung sinnvoll. Je nach Ursache können unterschiedliche Behandlungen hilfreich sein.
Und vielleicht nimmst du dir neben den Übungen auch einmal Zeit für eine andere Frage:
Was halte ich in meinem Leben eigentlich alles zurück?
Nicht, weil du damit deine Blasenschwäche verursacht haben musst.
Sondern weil es guttun kann, den eigenen Körper und das eigene Leben wieder mit etwas mehr Aufmerksamkeit zu betrachten.
Hier erfährst du mehr über meinen Onlinekurs „Blasenschwäche und Organsenkungen verbessern“.