Warum ich heute beim Yoga lieber zweimal hinschaue

Ich war unglaublich beweglich. Leider hatte ich damals noch keine Ahnung, dass Beweglichkeit und ein gesunder Rücken nicht unbedingt dasselbe sind.

Als ich vor vielen Jahren meine erste Yogawoche im Harz besuchte, war ich ziemlich begeistert von mir. Die anderen Teilnehmer mühten sich teilweise mit den Übungen ab, während ich meinen Körper scheinbar mühelos in die unterschiedlichsten Haltungen bringen konnte. Das machte natürlich Spaß. Wer freut sich schließlich nicht, wenn er etwas auf Anhieb gut kann?

Was ich damals allerdings nicht wusste: Nur weil man seinen Körper in alle möglichen Richtungen verbiegen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass die Muskulatur auch kräftig genug ist, um ihn dabei ausreichend zu unterstützen.

Diese Erkenntnis sollte ich wenig später auf ziemlich unangenehme Weise gewinnen.

Aber von vorne.

Ich suchte eigentlich etwas ganz anderes

Als ich zum Yoga kam, ging es mir zunächst gar nicht darum, meinen Rücken zu trainieren. Mich interessierte vor allem die Philosophie.

Ich hatte mit 25 Jahren eine Nahtoderfahrung erlebt, die mein ganzes Leben verändert hatte. Die Begegnung mit meiner Seele und dem Licht war so tiefgreifend gewesen, dass ich danach lange nach einem Weg suchte, diese Erfahrung mit meinem ganz normalen Alltag zu verbinden.

Ich wollte eine Spiritualität, die ich leben konnte. Etwas, das mir half, mich selbst besser zu verstehen und meine Verbindung zu Gott auch hier auf der Erde zu erfahren.

Und genau das fand ich im Yoga.

Während der Yogawoche im Harz lernte ich neben den Körperübungen auch die Gedanken und Hintergründe der Yogaphilosophie kennen. Vieles davon fühlte sich für mich sofort vertraut an. Ich hatte endlich das Gefühl, einen Weg gefunden zu haben, der zu meiner inneren Suche passte.

Dass mir die Übungen körperlich so leichtfielen, war natürlich eine willkommene Zugabe. Damals hielt ich mich deshalb auch für ausgesprochen yogatauglich.

Tja. Mein Rücken hatte dazu offenbar eine etwas andere Meinung.

Der Morgen, an dem mein Rücken die Zusammenarbeit verweigerte

Nach der Yogawoche übte ich begeistert zu Hause weiter. Schließlich hatte ich die Haltungen ja gelernt, und wenn sie im Harz funktioniert hatten, warum sollten sie das in meinem Wohnzimmer plötzlich nicht mehr tun?

Eines Morgens übte ich den Pflug, eine Haltung aus der klassischen Rishikesh-Reihe. Dabei liegt man auf dem Rücken und führt die Beine über den Kopf nach hinten.

Das Hinkommen war überhaupt kein Problem. Schwierig wurde es erst, als ich wieder herauswollte.

Plötzlich wusste ich nicht mehr, wie ich meine Beine kontrolliert zurückbringen sollte. Und anschließend ging praktisch gar nichts mehr.

Ich hatte solche Schmerzen, dass ich mich kaum aufrichten konnte. Die meiste Zeit verbrachte ich in der sogenannten Stufenlagerung, weil das noch am ehesten auszuhalten war.

Meine drei Söhne waren damals noch klein. Die beiden Ältesten waren Zwillinge, und ihr jüngerer Bruder war ebenfalls noch im Kleinkindalter.

Die Kinder krabbelten durch die Wohnung, und ich krabbelte gelegentlich hinterher. So hatten wir wenigstens alle dieselbe Fortbewegungsart, auch wenn ich mir das Familienleben ursprünglich etwas anders vorgestellt hatte.

Was genau mit meinem Rücken passiert war, wusste ich zunächst nicht. Mein Hausarzt behandelte mich mit Spritzen und Tabletten, aber eine wirkliche Besserung stellte sich nicht ein.

Nach fast sechs Wochen hatte ich die Nase voll und wollte endlich wissen, warum ich immer noch kaum auf die Beine kam. Mein Hausarzt überwies mich daraufhin zu einem Chirurgen, der einen Bandscheibenvorfall diagnostizierte.

Eine Operation hielt er nicht für sinnvoll. Er erklärte mir, dass mir vor allem die Muskulatur fehlte, die meinen Rücken ausreichend stabilisieren sollte, und verordnete Physiotherapie.

Damit ich die Übungen überhaupt durchführen konnte, brauchte ich zunächst starke Schmerzmittel. Und bis ich mich wieder einigermaßen schmerzfrei bewegen konnte, verging noch viel Zeit, denn auch mein Iliosakralgelenk machte mir erhebliche Probleme.

Was drei Schwangerschaften mit meinem Becken zu tun hatten

Meine körperliche Vorgeschichte war schließlich auch nicht ganz ohne.

Zuerst hatte ich Zwillinge geboren, danach kam mein dritter Sohn per Kaiserschnitt zur Welt. Er wurde drei Wochen zu früh geboren und wog trotzdem fast so viel wie seine beiden Brüder bei ihrer Geburt zusammen.

Mein Bauch hatte also reichlich Gelegenheit gehabt, seine Dehnfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Nach den Geburten fühlte ich mich körperlich oft schwach, und besonders mein Rücken bereitete mir immer wieder Probleme.

Ein Physiotherapeut erklärte mir später, dass die Bänder, die das Iliosakralgelenk sichern, durch die Veränderungen während der Schwangerschaften sehr nachgiebig geworden sein könnten.

Das war für mich ein wichtiger Hinweis, denn ich begann zu verstehen, dass ein beweglicher Körper nicht automatisch ein stabiler Körper ist.

Wie stark meine Schwangerschaften tatsächlich zu meinen späteren Beschwerden beigetragen haben, lässt sich rückblickend nicht eindeutig feststellen. Aber sie waren ein wesentlicher Teil meiner persönlichen Geschichte und ein Anlass, mich später intensiver mit der Beckenmuskulatur zu beschäftigen.

Warum ich trotzdem Yogalehrerin werden wollte

Nun könnte man meinen, dass ich nach dieser Erfahrung einen großen Bogen um Yoga gemacht hätte. Immerhin hatte ich mir bei einer Yogaübung einen Bandscheibenvorfall zugezogen.

Aber so einfach war das nicht.

Die Yogaphilosophie hatte mich viel zu tief berührt, und ich wollte unbedingt mehr darüber erfahren. Die körperlichen Übungen waren für mich nur ein Teil eines viel größeren Weges, der mir nach meiner Nahtoderfahrung geholfen hatte, wieder Freude an meinem Leben zu finden.

Also meldete ich mich zur Yogalehrerausbildung an.

Dort stellte ich allerdings ziemlich schnell fest, dass mein Rücken nicht unbedingt dieselben Vorstellungen von Yoga hatte wie die Ausbildungsleiter.

Während andere Teilnehmer die Haltungen übten, musste ich immer wieder ausprobieren, welche Bewegungen für mich überhaupt machbar waren. Manche taten mir gut, bei anderen meldete sich mein Rücken sofort.

Ich begann deshalb, mich intensiver mit meinem Körper auseinanderzusetzen. Warum konnte ich manche Haltungen problemlos einnehmen, während andere Schmerzen auslösten? Welche Muskeln waren daran beteiligt? Und was brauchte mein Rücken eigentlich, damit ich mich wieder sicher bewegen konnte?

Meine frühere Begeisterung darüber, wie beweglich ich war, bekam dadurch eine ganz neue Bedeutung.

Heute muss ich manchmal darüber lachen, wie stolz ich damals darauf gewesen war, meine Beine mühelos hinter den Kopf bringen zu können. Als wäre das ein besonderer Beweis für Gesundheit.

Dabei hatte ich noch nicht einmal verstanden, wie wichtig die Muskulatur ist, die meinen Körper bei solchen Bewegungen unterstützt.

Meine ersten Yogaschüler wurden zu meinen besten Lehrmeistern

Nach ungefähr einem Jahr Ausbildung begann ich, beim Kneipp-Verein eigene Yogakurse zu unterrichten.

Viele meiner Teilnehmer waren bereits älter und brachten die unterschiedlichsten Beschwerden mit. Da gab es Rückenprobleme, schmerzende Knie, eingeschränkte Hüften und natürlich auch Beschwerden im Bereich des Iliosakralgelenks.

Ich konnte ihnen schlecht sagen, sie sollten einfach alle Übungen so machen, wie sie im Lehrbuch standen. Schließlich wusste ich aus eigener Erfahrung, dass das nicht immer eine besonders gute Idee ist.

Also fing ich an, genauer hinzuschauen.

Ich beschäftigte mich intensiv mit Anatomie, besuchte weitere Ausbildungen und wollte verstehen, wie Muskeln und Gelenke zusammenarbeiten und welche Bewegungen bei bestimmten Beschwerden sinnvoll sein können.

Besonders interessierte mich, warum manche Menschen trotz regelmäßiger Bewegung immer wieder Rückenprobleme bekamen.

In meinen Kursen veränderte sich dadurch nach und nach vieles. Ich passte Übungen an, entwickelte Varianten und legte immer mehr Wert darauf, dass die Teilnehmer ihre Bewegungen bewusst ausführten.

Manchmal waren es gerade die kleinen, unspektakulären Übungen, bei denen die Teilnehmer zum ersten Mal merkten, welche Muskeln sie überhaupt anspannen konnten.

Und ich stellte fest, dass viele Menschen zwar sehr fleißig dehnten, aber kaum wussten, wie sie die Muskulatur kräftigen konnten, die ihrem Becken und Rücken Halt gibt.

Warum ich mich irgendwann so intensiv mit dem ISG beschäftigte

Das Iliosakralgelenk ist die Verbindung zwischen dem Kreuzbein und den beiden Beckenschaufeln. Es bewegt sich nur wenig, muss aber im Alltag erhebliche Kräfte übertragen.

Damit das gut funktioniert, spielen neben den Bändern auch die umliegenden Muskeln eine wichtige Rolle.

Je mehr ich mich mit der Anatomie beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass ich bei Rücken- und ISG-Beschwerden genauer unterscheiden musste, was ein Mensch gerade braucht.

Mehr Beweglichkeit? Mehr Kraft? Eine bessere Koordination der Muskeln? Oder zunächst einfach eine Übung, die überhaupt schmerzarm möglich ist?

Die Antwort ist nicht bei jedem Menschen gleich.

Gerade das fand ich so spannend.

Denn wenn jemand über ISG-Schmerzen klagt, bedeutet das noch lange nicht, dass er dieselben Übungen braucht wie seine Nachbarin, die ebenfalls Schmerzen im unteren Rücken hat.

Mit der Zeit entwickelte ich immer mehr gezielte Übungen für die Beckenmuskulatur, den unteren Rücken und die umliegenden Gelenke.

Dabei kam mir meine eigene Geschichte zugute. Ich wusste schließlich, wie frustrierend es ist, wenn man sich bewegen möchte und der Körper einfach nicht mitspielt.

Und was hatte das alles mit meiner Seele zu tun?

Je länger ich mich mit Yoga beschäftigte, desto deutlicher wurde mir auch, wie sehr ich mich selbst über viele Jahre unter Druck gesetzt hatte.

Als junge Mutter wollte ich möglichst alles richtig machen. Ich wollte für meine drei Söhne da sein, meinen Beruf als Steuerfachgehilfin ausüben und natürlich auch den Erwartungen gerecht werden, die ich selbst an mich stellte.

Wenn die Kinder abends im Bett waren, erledigte ich häufig noch Buchführungen. Dass ich längst erschöpft war, hielt mich nicht unbedingt davon ab.

Ich war ziemlich gut darin, mich selbst zu überfordern, und brauchte dafür nicht einmal jemanden, der mich dazu aufforderte.

Gleichzeitig fühlte ich mich häufig unsicher und hatte das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Wenn andere sich um meine Kinder kümmerten, weil es mir gesundheitlich schlecht ging, war ich zwar dankbar, fühlte mich aber manchmal auch überflüssig.

Heute kann ich darüber mit mehr Verständnis für mein damaliges Ich nachdenken.

Ich hatte drei kleine Kinder, gesundheitliche Probleme und einen Beruf, der mich nicht glücklich machte. Trotzdem erwartete ich von mir, dass ich möglichst alles im Griff hatte.

Kein Wunder, dass mir irgendwann die Kraft ausging.

In der Yogaphilosophie wird der Beckenraum mit den unteren Chakren verbunden. Besonders das Wurzelchakra steht symbolisch für Sicherheit, Stabilität und das Gefühl, im Leben einen festen Platz zu haben.

Als ich mich später intensiver mit diesen Zusammenhängen beschäftigte, fand ich darin viele meiner damaligen Lebensthemen wieder.

Für mich wurde das zu einer weiteren Möglichkeit, meinen Körper und mein Leben bewusster wahrzunehmen. Es ist eine spirituelle Betrachtungsweise und keine medizinische Erklärung für einen Bandscheibenvorfall oder ISG-Schmerzen.

Doch sie hat mir geholfen, Fragen zu stellen, die ich früher gern übergangen hatte.

Zum Beispiel, warum ich glaubte, ständig etwas leisten zu müssen, um wertvoll zu sein.

Aus all diesen Erfahrungen entstand Beckenpower

Über die Jahre begegneten mir immer wieder Menschen, die schon unglaublich viel gegen ihre Rücken- und ISG-Beschwerden unternommen hatten.

Sie waren bei Ärzten und Physiotherapeuten gewesen, hatten Massagen, Schmerzmittel oder unterschiedliche Bewegungsprogramme ausprobiert. Manche berichteten, dass es ihnen vorübergehend besser ging, die Beschwerden aber immer wieder zurückkamen.

Ich kannte diese Frustration aus eigener Erfahrung.

Deshalb wollte ich ein Programm entwickeln, in dem Menschen nicht einfach nur Übungen nachmachen, sondern auch verstehen können, wie ihr Becken aufgebaut ist und welche Aufgaben die verschiedenen Muskeln übernehmen.

So entstand mein Onlinekurs „Beckenpower – Heil-Yoga bei ISG- und Rückenbeschwerden“.

Darin verbinde ich mein anatomisches Wissen mit den Erfahrungen aus vielen Jahren Heil-Yoga-Unterricht und gezielten Übungen für die Muskulatur rund um Becken und unteren Rücken.

Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Übungen nachvollziehbar sind und sich an die eigenen Möglichkeiten anpassen lassen.

Denn eines habe ich damals auf ziemlich schmerzhafte Weise gelernt:

Es kommt beim Yoga nicht darauf an, wie weit du dich verbiegen kannst. Viel interessanter ist, ob du verstehst, was dein Körper dabei macht.

Und falls du gerade überlegst, ob du vielleicht auch einmal den Pflug ausprobieren solltest, nur weil er auf einem Yoga Foto so beeindruckend aussieht: Ich würde zuerst einmal schauen, wie es um deine Rücken- und Rumpfmuskulatur bestellt ist.

Ich habe meine Lektion damals jedenfalls gründlich gelernt.

Möchtest du deinem unteren Rücken etwas Gutes tun?

Wenn du selbst immer wieder Beschwerden im unteren Rücken hast oder merkst, dass du dich dort steif und unbeweglich fühlst, kannst du mit einer sanften Übungseinheit beginnen.

Ich habe dafür ein kostenloses Video aufgenommen: „Freier und beweglicher unterer Rücken“.

Darin zeige ich dir einfache Bewegungen, mit denen du deinen unteren Rücken bewusst und ohne Leistungsdruck bewegen kannst.

Hier kannst du dir das kostenlose Heil-Yoga-Video anfordern.

Und wenn du dich intensiver mit der Muskulatur deines Beckens beschäftigen möchtest, findest du in meinem Onlinekurs „Beckenpower“ viele weitere Übungen und ausführliche Erklärungen.

Ich hätte mir damals gewünscht, dieses Wissen schon zu haben. Aber wer weiß, ob ich mich sonst jemals so gründlich mit der Anatomie beschäftigt hätte?

Manchmal nimmt das Leben eben ziemlich merkwürdige Umwege.

Herzlichst

Maria Dieste

Hinweis: Meine persönlichen Erfahrungen ersetzen keine medizinische Diagnose. Bei starken, anhaltenden oder ausstrahlenden Rückenschmerzen sollten die Ursachen ärztlich abgeklärt werden. Nicht jede Übung ist für jeden Rücken geeignet.